Alleine am Tag X ... ?

Lassen wir uns einmal auf ein Was-wäre-wenn-Spiel ein. Ja, es wird euch beunruhigen. Es wird euch sehr beunruhigen. Und die linke Hassgemeinschaft wird alleine über den Gedanken geifern und spucken. Es ist eine Vorstellung einer nahen Zukunft, die in ihrem Weltbild keinen Platz haben darf. Aber wollen wir dennoch einmal gemeinsam eine Hypothese wagen, nennen wir es Fiktion. Fantasy. Science Fiction ... Das ist zum Glück ja noch nicht verboten. Noch.  

 

Ein Essay von Florian Hain

 

Angenommen es ist der Tag X und marodierende Banden beginnen durch die Straßen zu ziehen. Nein, nicht einfach nur ein paar Leute. Hunderte. Tausende. Gleichzeitig, in jeder Stadt. So wie wir es von Videos aus Paris, Berlin oder auch Italien in etwa erahnen können. Auch die gewalttätigen Massenaufstände und Plünderungen in den USA haben wir noch im Hinterkopf. Diese Menschen räumen alles aus dem Weg, was irgendwie ersichtlich nicht zu ihnen gehört. Mit allen Mitteln. Fäuste. Holzstangen. Brecheisen. Schusswaffen. Sie nehmen sich was sie wollen. Sie zerstören was sie wollen. Wer auf den Straßen ist, hat Pech gehabt. Wie lange werden die Türen der Häuser halten, wenn der Mob von Haus zu Haus geht? Wie lange wird die Tür zu deiner Wohnung halten?  

 

Wir wenigen, die aufgewacht sind, wähnen uns für besonders intelligent, weil wir auf Facebook ach so tolle Postings machen können. Wir haben die Zustände, die Misswirtschaft, die Korruption, den kriminellen Gesetzesbruch der Herrschenden durchschaut. Wir kritisieren Tag für Tag die Regierungen und eine radikale Religion mit Weltherrschaftsanspruch, die unser aller Leben durchdringt. Wir halten uns fit, gehören vielleicht zu den wenigen Zeitgenossen mit Waffenbesitzkarte, haben möglicherweise auch ein wenig vorgesorgt.  

 

Wie lange werden wir standhalten, jeder von uns? Glauben wir, dass am Tag X noch die Polizei kommt? Gleichzeitig angerufen von tausenden Menschen? Haben Polizisten keine Familien? Müssen sie nicht erst mobilisiert werden? Müssten sie durch die brennenden Straßen zu ihren in Österreich oft nicht einmal mit Zäunen gesicherten Polizeistationen, um sich zu sammeln? Oder glauben wir fest daran, dass die Armee kommt? Das Bundesheer, wo neben oder in jeder Kaserne inzwischen ein großes Flüchtlingscamp angesiedelt ist? Wie lange wird es wohl dauern, einen funktionierenden Kampfverband auf der Straße zu haben? Und wie lange wird es dauern, bis dieser genau bei deiner Straße ankommt? Was werden sie dort vorfinden? Qualmende Ruinen?

 

Also nochmal zurück. Du gut trainierter, gut ausgerüsteter, wortgewaltiger Einzelkämpfer. Wie lange wirst du also standhalten in deinem Einfamilienhaus. In deinem Reihenhaus. In deiner Stadtwohnung. In deinem Zimmer im Studentenheim. Wie lange wird es dauern, bis die Horde durch Türen und Fenster eindringt. Wie viele wirst du mitnehmen, bis das bittere Ende kommt?  

 

Wie gut wird es in diesem Szenario also funktionieren, sich auf die Organe eines versagenden Staates zu verlassen? So gut wie in Frankreich, wo elf Attentäter 130 Menschen töteten und 352 verletzten, bis die Polizei auf die Idee kam, auch etwas zu tun? (Acht der Attentäter starben übrigens durch Selbstmord.) Ist in unserer Welt eigentlich wirklich alles in bester Ordnung, wo sich Gewalt, Raub, Vergewaltigung und Mord inzwischen in einem Maß gehäuft haben, dass es zur normalen Tagesordnung gehört und keinen mehr wesentlich aufzuregen scheint? Haben wir das Gefühl, dass die öffentliche Sicherheit wirklich noch für jeden Bürger und an jedem Ort gewährleistet ist – glauben wir ganz fest daran, weil wir es glauben wollen?  

 

Vielleicht haben wir alle aber ein Hauptelement vergessen, das über den Fortbestand unserer Kultur oder die Auslöschung entscheiden könnte: Der gesellschaftliche Zusammenhalt.  

 

Wenn sich hundert von uns hundert von ihnen entgegenstellen, würde der Spuk schneller enden, als er begonnen hat. Das würde aber bedingen, dass unsere Zivilisation dasselbe Vernetzungs- und Mobilisierungspotential entwickeln müsste, das die Kultur der Fremden kennt. Denn inzwischen ist es so, dass bei der kleinsten Verkehrskontrolle des kleinen Einmann (natürlich traumatisierter Flüchtling aus Syrien, so hat er es doch bei der Einreise gesagt), auf einmal hundert Brüder, Onkel und Cousins dastehen und die amtshandelnden Polizisten aus der No-Go-Zone werfen. Hochkant und mit Fußtritt und drei Wochen Krankenstand.  

 

Solange Kevin, Merlin, Maurice und Chantal aber große Internethelden bleiben, andere Menschen misstrauisch beäugen und meinen, sie würden schon alleine klarkommen, so lange können wir uns eigentlich auch einfach hinknien und warten, was da kommen möge. Und dass es dann schnell geht. Denn dass etwas kommt, kann man als gesichert annehmen, solange die Politik nicht bereit ist, die Rechtsstaatlichkeit wieder herzustellen und die Verfassung auf Punkt und Beistrich einzuhalten.

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