«Es kommen exorbitant konservative Menschen»

04.12.2016 Eine neue Studie soll Einblick in Migranten-Milieus in Deutschland geben. Ein erster Auszug zeigt, dass sich manche Gruppen immer mehr zurückziehen.

 

«Die Migrantenmilieus entwickeln sich auseinander.» Das sagt Bernd Hallenberg, stellvertretender Vorstand des VHW Bundesverbandes für Wohnen und Stadtentwicklung. Das gelte sozial, vor allem aber kulturell. Diese Schlussfolgerung zieht Hallenberg laut der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» aus ersten Ergebnissen der Studie «Migranten-Lebenswelten in Deutschland 2016».

 

Für manche Migrantengruppen spielt die Einwanderungsdebatte kaum mehr eine Rolle, weil sie sich bereits so stark heimisch und angekommen fühlen, dass sie die Debatte gar nicht mehr verfolgen. Andere hingegen hätten sich weitgehend zurückgezogen und verharren fast ausschliesslich in ihrem direkten Umfeld.

 

Manche Gruppen lehnen Aufstieg durch Einstieg ab

 

Gemäss der Untersuchung würden sich vor allem stark traditionell geprägte Milieus und Menschen mit niedrigem Sozialstatus abkapseln. Diese würden laut FAZ einen Aufstieg durch Einstieg in die hiesige Gesellschaft und den westlichen Lebensstil teilweise ablehnen. Diese Gruppen ziehen sich demnach in ihre ethnische Gruppe zurück.

 

Die Menschen in diesen Gesellschaften fühlen sich stark ihren Herkunftsländern und heimatlichen Traditionen zugehörig und nehmen die deutsche Kultur als fremd wahr. Laut Hallenberg hätten zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen selbst türkischstämmige Menschen immer weniger Interesse daran, Kontakt zu Deutschen zu pflegen.

 

«Wir sind nun mal keine Deutschen, wir sind nun mal Türken», sagte eine für die Studie befragte Person. «Entweder bist du das eine oder das andere» und «meine Freunde sind überwiegend religiös und Ausländer. Ich glaube, mit denen haben wir mehr gemeinsame Sachen als mit Deutschen» sind Aussagen von weiteren befragten Migranten.

 

«Ärgerlich, bedrohlich und beängstigend»

 

Diese Abkapselung von der deutschen Gesellschaft stösst wiederum anderen Migranten sauer auf, wie die FAZ in Bezug auf die Studie schreibt. «Ärgerlich», «bedrohlich» und «beängstigend» sind drei Beschreibungen, die für diese Entwicklung genannt werden. «Deutschland ist liberal und offen, und es kommen halt exorbitant konservative Menschen ins Land. Dass das eine mit dem anderen nicht wirklich harmoniert, ist eine logische Folge», findet ein Befragter, während einen anderen die Angst plagt, dass die Vorbehalte von Deutschen gegenüber Ausländern immer lauter werden.

 

Viele Befragte fürchten laut «FAZ», dass das Zusammenleben schwieriger wird und die Akzeptanz von Ausländern abnimmt. «Viele Migranten stimmen mit der Aufnahme der geflüchteten Menschen nicht überein», bilanziert Bernd Hallenberg.

 

Ursprünglich erschienen auf: 20min.ch

 

Wenn du einen Kommentar hinterlassen, aber deine Mail Adresse nicht angeben möchtest, gib xy@yahoo.com oder dergleichen an.

Kommentare

Bitte geben Sie den Code ein
* Pflichtfelder
Es sind noch keine Einträge vorhanden.