Sieben Identitäten: "Flüchtling" erschlich 22.000 Euro

08.02.2017 Sieben mal lies sich ein 25-jähriger Sudanese bei verschiedenen Behörden registrieren und erschlich so 21.700 Euro an Sozialleistungen. Im Prozess am Amtsgericht Hannover fiel nun das lächerliche Urteil gegen den Mann.  

 

Der wegen gewerbsmäßigen Betrugs angeklagte Sudanese ist vom Amtsgericht Hannover zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt worden. Zudem muss der 25-Jährige 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, urteilte das Gericht wenig überraschen mild. Der Mann hatte zuvor gestanden, dass er unter sieben verschiedenen Identitäten in unterschiedlichen norddeutschen Städten Sozialleistungen erschlichen hatte. Der Staatsanwaltschaft zufolge hatte der Asylsuchende von August 2015 bis September 2016 rund 21.700 Euro zu Unrecht bezogen.

 

Da von dem Angeklagten eine "hohe kriminelle Energie" ausgehe, hatte die Staatsanwaltschaft gefordert, das Strafmaß nicht zur Bewährung auszusetzen. Rechtsanwalt Christian Neumann widersprach dieser Aussage und betonte, der Angeklagte habe lediglich eine "Lücke im System" ausgenutzt und sich bei unterschiedlichen Behörden angemeldet und fotografieren lassen. "Einfacher geht es fast nicht mehr." Der Verteidiger hatte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr gefordert.

Geld an sechsköpfige Familie im Sudan geschickt

 

Die Aussetzung zur Bewährung hatte Richter Kai Wrase damit begründet, dass der Sudanese bisher nicht vorbestraft sei. Der Sudanese ließ über seinen Anwalt eine Einlassung verlesen, in der er die Taten "außerordentlich bedauert". Das Geld habe der Mann fast ausschließlich an seine sechsköpfige Familie im Sudan geschickt. Seine Mutter sei schwer krank, sein Vater im Bürgerkrieg schwer verwundet worden. Da es keine staatliche Krankenversorgung gebe, müsse diese selbst bezahlt werden. Wie der Mann die Schlepper für die Überfahrt nach Europa bezahlen konnte, wurde nicht hinterfragt.

 

Seit vergangenen September sitzt der Wirtschaftsflüchtling in Untersuchungshaft. Der Anklage zufolge soll er Leistungen unter anderem in Salzgitter, Wolfsburg, im Landkreis Rotenburg/Wümme und Cuxhaven bezogen haben. Hintergrund für das Verfahren waren Ermittlungen der Braunschweiger Sonderkommission Zentrale Ermittlungen, der derzeit mehr als 300 Verdachtsfälle vorliegen.

 

Einer Mitarbeiterin der Landesaufnahmebehörde war zuvor aufgefallen, dass sich vor allem aus dem Sudan stammende Asylbewerber durch Mehrfach-Identitäten Sozialleistungen erschlichen hatten. Mittlerweile würden von allen Flüchtlingen Fingerabdrücke genommen, so dass eine doppelte Registrierung auffalle, hieß es.

 

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